Adlehm's Blog

01/05/2011

Authentizität im Lehrberuf

Was ist für mich ein guter Lehrer? Welche meiner Lehrer sind mir positiv in Erinnerung geblieben und haben mich auf meinen Lebensweg nachhaltig geprägt?

Fast alle meiner früheren LehrerInnen waren gute Lehrer, vor deren Fach- und Sozialkompetenz ich natürlichen Respekt hatte. Aber nur einige wenige hatten noch etwas mehr – nämlich Authentizität und natürliches Charisma.

Nur bei diesen lernte ich nicht nur wegen der Prüfungen und Noten, sondern nahm ihnen auch persönlich ab, was sie im oder ausserhalb des Unterrichts an Lernwissen und Lebensweisheit vermittelten. Sie waren als Menschen massgebend für mein weiteres Denken und von ihnen „übernahm“ ich richtungsweisende Anregungen. Auch wenn sie konsequent und fordernd waren, umso mehr freute mich das Lob oder eine gute Benotung aus solchem kompetenten Munde

Zudem war im Gesellschaftssystem Ostdeutschlands, indem ich „erwachsen“ wurde, die Kompetenz, zwischen „Schein und Sein“ des Gegenübers unterscheiden zu können, überlebenswichtig. Andererseits war die Courage einiger Lehrer, persönliche Echtheit, Korrektheit und Integrität auch tatsächlich vorzuleben, sehr wichtig für damalige Schüler, die heute „unverbogene“ Persönlichkeiten sind und sich nicht mit allem abfinden, was von aussen auf sie einwirkt.

Damals wie heute mag ich keine Lehrer-Schauspieler. Oberste Maxime meines Denkens und Handelns als Lehrperson ist daher: „Teach it like you preach it“.  Ich werde S nur das vermitteln, wofür ich auch selbst einstehe. Und in puncto Integrität, dürfen sie mich beim Wort nehmen und dürfen darauf vertrauen, dass sie im Zentrum stehen und ich dahinter zurücktrete. Andererseits möchte und werde ich mich selbst nicht für Fremdziele verbiegen müssen.

Bei Wikipedia habe ich für meine persönliche Definition von „Authentizität“ nochmals Rückbestätigung erhalten:

Authentizität bezeichnet eine kritische Qualität von Wahrnehmungsinhalten (Gegenständen oder Menschen, Ereignissen oder menschliches Handeln), die den Gegensatz von Schein und Sein als Möglichkeit zu Täuschung und Fälschung voraussetzt. Als authentisch gilt ein solcher Inhalt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung, unmittelbarer Schein und eigentliches Sein, in Übereinstimmung befunden werden. Die Scheidung des Authentischen vom vermeintlich Echten oder Gefälschten kann als spezifisch menschliche Form der Welt- und Selbsterkenntnis gelten …

Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt. Wenn bei einer Person allerdings die Eigenschaft, dass ihr Handeln durch äußere Einflüsse bestimmt wird, als Persönlichkeitsmerkmal oder Charakterzug bezeichnet werden kann, spricht man von einer authentischen Inauthentizität, auch von der authentisch inauthentischen Persönlichkeit. Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman unterscheiden vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man sich selbst als authentisch erlebt:

  • BewusstseinEin authentischer Mensch kennt seine Stärken und Schwächen ebenso wie seine Gefühle und Motive für bestimmte Verhaltensweisen. Erst durch diese Selbstreflexion ist er in der Lage, sein Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.
  • EhrlichkeitHierzu gehört, der realen Umgebung ins Auge zu blicken und auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren.
  • KonsequenzEin authentischer Mensch handelt nach seinen Werten. Das gilt für die gesetzten Prioritäten und auch für den Fall, dass er sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.
  • Aufrichtigkeit – Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, seine negativen Seiten nicht zu verleugnen.

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“, das heißt sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird.“

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1 Kommentar »

  1. Hallo Adda
    Was ist ein guter Lehrer? Authentizität ist das Zauberwort mit einer esoterischen Seite. Auf dieser Grundlage hätte die Weiterbildung in AE mit den chinesischen Weisheiten gerne hinlaufen können. Kann man überhaupt authentisch sein, oder sollte man sich nicht eher stetig dorthin entwickeln? Wie kann ich zum Beispiel in zehn Schritten als Lehrperson authentischer werden? Wer würde sich schon als nicht-authentisch bezeichnen?
    Die Diskussion über die Fachkompetenz als das wichtigste Attribut eines guten Lehrers führt meiner Meinung nach auf die falsche Bahn. Interesse für das Fach erachte ich als selbstverständlich, denn nur der, der “brennt” kann auch “entzünden”. Bei den weniger interessanten Themen wäre es schlicht falsch Interesse vorzuheucheln, denn man schaft ein Vorbild für die Schüler, die auch nur dem Lehrer gefallen wollen und Interesse heucheln. Dieser Opportunismus erscheint mir an den Schulen weit verbreitet. Der Lehrplan wirkt hierbei nicht wirklich förderlich. Das Fachwissen mit der Lebenswelt der Lernenden zu verknüpfen erachte ich als die wahre Herausforderung des Pädagogen. Man muss sich für die Jugendlichen interessieren. Mehr als vom Fachwissen, sollte man vom Lernen verstehen. Um das zu bewirken muss man Interesse wecken können.
    Simon

    Kommentar von simras — 13/06/2011 @ 22:24 | Antwort


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