Adlehm's Blog

14/04/2011

Personal Learning Environment – 2. Teil = „das soziale Klassenzimmer 2.0“

„Der Ausdruck Personal Learning Environment (kurz PLE) ist nicht klar definiert, kann aber als Konzept der individuellen Ausgestaltung der eigenen Lernumgebung verstanden werden. Der wichtigste Aspekt ist, dass der Lernende diese Umgebung unter seiner Kontrolle hat und seine Lern- und Arbeitsumgebung individuell gestaltet, um Wissen zu entwickeln und mit anderen zu teilen. Obwohl die rein sprachliche Übersetzung prinzipiell die gesamte persönliche Lernumgebung meint (z. B. Schreibtisch, Bücherei, Computer, Zeitung, etc.), wird unter der technischen Umsetzung einer PLE in der Forschung im Wesentlichen die individuelle Zusammenstellung von (Social-)Software oder Web-Services, die das zumeist informelle Lernen mit dem Computer unterstützen, verstanden.“ (Wikipedia)

Während des IKT-Kurses lernten wir „by doing & clicking“ verschiedene Tools der Web 2.0 Generation kennen, die für das virtuelle Lernen ohne Anwesenheitspflicht im Schulzimmer verwendet werden können, um das selbstregulierte Lernen der Schüler von Inhalten und Kompetenzen zu fördern: Wiki, Weblog, Podcast, soziale Netzwerke, virtuelle Welt, Social Bookmarks, Social News, Media-Sharing Plattforms oder LMS. Ich stellte dabei fest, dass mir die assynchronen Tools, die eine zeitversetzte Kommunikation zwischen den kollaborierenden Teilnehmern ermöglicht, sehr gut gefallen. So kann ich mir mein eigenes Zeitfenster bauen – allerdings nur wenn ich überhaupt genügend davon habe. Lernen ist ja eine Funktion der Zeit und geht nicht so hoppla hopp. Gern hätte ich das synchrone Tool eines „Experten-Chats“ während einer der Lehrveranstaltungen ausprobiert. Aber zu dieser Art von Plausch wäre in den 4,5 Tagen dieses Kompakt-Moduls kein Platz mehr gewesen.

Im Rahmen einer asynchronen Online-Diskussion, auch Forum genannt, tauschten wir uns u.a. darüber aus, welche Anforderungen zu berücksichtigen wären, um ein kleines PLE-Konzept mit IKT-Elementen in einer Schule mit offenem Unterricht vor allem für die Zeiten ohne Anwesenheitspflicht der Schüler einzuführen und wie sich die Rolle der Lehrperson in diesem neuen Setting verändern müsste.

“PLE ist ein vorrangig technologisches Konzept, das jedoch wichtige didaktische als auch organisatorische Konsequenzen haben kann. Im Gegensatz zu traditionellen multifunktionalen virtuellen Lernumgebungen, die verschiedene Aspekte in das System integrieren …, stellt das PLE-Konzept den Lernenden und seine Aktivitäten und Bedürfnisse in den Mittelpunkt und holt die Werkzeuge und Informationen in das aktuelle favorisierte PLE des Lernenden … PLE ist also weniger ein neues didaktisches Modell oder eine konkrete Methode, die das Lehren oder das Lernen unterstützen kann, als ein technologisches Konzept: Es beschreibt Funktionalitäten, die ein entsprechendes System haben sollte, wenn es als „persönliche Lernumgebung“ eingesetzt werden soll.“ (Kalz / Schaffert: Persönliche Lernumgebungen: Grundlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen eines neuen Konzepts , S. 6).

Demnach würde ich zu allererst nach der heterogenen Schülerschaft mit ihren methodischen und technischen Vorlieben fragen, die sie auch im privaten Bereich – und zumeist wesentlich mehr als die Lehrerschaft selbst– bereits nutzen. Weiterhin wäre interessant zu wissen, welche medialen Formate und Tools denn bereits im Unterricht der verschiedenen Lehrkräfte individuell eingesetzt werden und welche guten bzw. schlechten Erfahrungen sie damit gemacht haben? Desweiteren möchte ich wissen, welche der wissenschaftlichen Fächer bereits in dieses Konzept einbezogen werden können, ob fächerübergreifende Lernziele verfolgt und die Sprachenfächer längerfristig auch mit eingeschlossen werden können? Und weiter … welche Kompetenzen (siehe auch Kompetenzatlas Erpenbeck / Heyse, 1999) und Lerninhalte bezogen auf die betroffenen „Unterrichtsfächer“ sollen entsprechend Rahmenlehrplan für Maturitätsschulen bzw. Fachmittelschulen und entsprechend den Leitideen der Schule „vermittelt“ bzw. mithilfe der „neuen Tools antrainiert“ werden? Welche genauen Lernziele formuliert der künftige Lehrer-Moderator im speziellen Kurs, so dass entsprechend passende e-Werkzeuge gemeinsam gefunden werden können? Welchen Wissenstransfer möchte die Lehrperson in welche anderen Bereiche anregen? Wann ist Gruppenarbeit und wann individuelles Lernen der Schüler gewünscht? Wie sieht der zeitliche Rahmenplan aus und ist er grundsatzlich veränderbar: face-to-face Treffen sind wann und wie oft möglich? Wieviel Zeit wird als Minimum für das virtuelle Lernen ohne Anwesenheitspflicht im Schulzimmer veranschlagt? Welche Anforderungen müssen für die Bewertung und Evaluation der „Lernergebnisse“berücksichtigt werden (formativ / summativ)? Wie sieht das Schulkonzept für die interne Evaluation aus? Welches Kostenbudget muss in welchem Zeitraum im Auge behalten  werden? …. etc.

Erst wenn die Lernziele und die Rahmenbedingungen klar sind, kann das Setting des Lernens konzipiert und synchrone und asynchrone Tools für individuelle PLEs der Schüler angeboten werden. Das bestätigt letztlich auch die Aussage von Max Woodtli, dass der ICT-Einsatz eine „Querschnittskompetenz“ ist, die während des eLearnings auch noch „so ganz nebenbei“ als Medienkompetenz antrainiert werden kann.

Die Lehrperson (LP) wird in diesem Konzept einen Perspektivenwandel vollziehen und sich umstellen müssen. Sie wird zum Lernbegleiter und Moderator des selbstregulierten Lernens der Schüler – ganz extrem formuliert: nur dessen „was sie selbst wann wie wo lernen wollen“. Ein Umdenken ist also bei der Lehrperson selbst notwendig, d.h. Partizipation und Abgabe von Macht und Kontrolle. Möglicherweise werden keine Fächer, sondern Lernfelder unterrichtet und Lehrer müssen auch untereinander kooperieren. Und … vielleicht möchte SIE sich hier didaktisch weiterbilden (Tipp: an der PHTG! 🙂 Anderseits ist eine Schulung nötig, zum einen was die technische Seite der Tools anbelangt, als auch in eModeration. Die Lehrperson muss wissen, wie sie die Lernaufgaben strukturiert, initiiert, unterstützt, Feedback gibt, aber auch wie sie die gewünschten Lernkompetenzen mit den neuen Tools beobachten und schliesslich die individuelle Lernleistung beurteilen kann. Diese Herausforderung, jeden Schüler optimal zu fordern und fördern, ist zeit- und arbeitsintensiv und bedarf auch guter Planung und Organisation seitens des Lehrmoderators. Ansonsten kann Partizipation – wie Oser (1994) es formuliert – auch schnell zur „Zumutung“ für die Lernenden werden.

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