Adlehm's Blog

27/03/2011

Bloggen – Selbstreflexion – Demokratie im Klassenzimmer

Filed under: Uncategorized — adlehm @ 23:36
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Nicht alle Zeitfunktionen sind mathematisch erklärbar und im voraus bestimmbar. Lernen ist eine solche Funktion der Zeit. Das Ergebnis ist eine unendliche Menge von Erfahrungen und Reflexionen über diese subjektiv erfundene Wirklichkeit. „Wer beschreibt, erfindet“. (Christa Renoldner: Einfach Systemisch, S. 18). Man nennt dies wohl dann auch persönlichen Lernfortschritt.

Was ist Bloggen überhaupt und wozu soll das gut für mich sein? Eine Definition zur Übersetzung dieses „Fremdwortes“ (nach Inhalt und Form) fand ich dann unter Wikipedia. Dies zur Theorie.

Was die praktische Umsetzung anbelangt, wäre mein erster Blog mit mind. 15 Einträgen zwar einer der vom „Lehrmeister“ vorgeschlagenen Wege zum Leistungsnachweis im Modul Berufspädagogik an der PHTG, um dem Lehrerdiplom Sekundarstufe II näher zu kommen. Aber, ich lerne nicht nur für Noten und Abschlüsse. Also was soll‘s? Wo liegt der Sinn des Bloggens?

„Man kann niemanden etwas lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden“

(Galileo Galilei).

Seitdem ich meinen ersten „Pseudo-Blog“ nach Auftrag noch im Word-Format (!) schrieb, haben mir 6 Monate im Zeitraffer des alltäglichen Wahnsinns nun doch eine persönliche Relevanz des Themas aufgezeigt:

Der Blogger, Khaled Said, war erst 28 Jahre alt, als er von Polizisten zu Tode geprügelt wurde. Er gab den Demonstrationen gegen das Mubarak-Regime ein Gesicht und den nötigen Zündstoff für Veränderungen. Sein Tod für die Meinungsfreiheit beflügelte die Proteste in Ägypten, die zum Sturz des Pharos führten. Andererseits verbreitete sich durch moderne Kommunikationstechnik und Medien wie Twitter (eine Anwendung zum Mikro-Blogging)  und Facebook (eine Website zum Erstellen und Betreiben sozialer Netzwerke) die Nachricht über die Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi, der scheinbar am Establishment in Tunesien verzweifelte, was wiederum zu einem Volksaufstand führte und in Revolution mündete. Obgleich seine Beweggründe wage sind, war dies doch der Funke für einen Flächenbrand in der ganzen arabischen Welt.

Was bedeutet das?

Erstens, jede Stimme zählt – sofern man sich einmischt – und zwar nicht nur auf dem Wahlzettel  zur heutigen Landtagswahl in Baden-Württemberg, sondern auch über Zivilcourage im Alltäglichen, welche durchaus auch zur Profession des Lehrers führen kann. 🙂

Zweitens, Massen-Medien machen schon immer Politik und beeinflussen die „öffentliche Meinung“ (thought control). Aber mit den Neuen Medien haben heute erstmals die Massen die Medien selbst in der Hand und können deren Funktion entscheidend mitbestimmen. Ergo: Wer sein Handwerk beherrscht, kann selbst etwas verändern.

Was hat das mit Schule und mit mir als angehender Lehrperson zu tun ?

Stephen Brookfield in „Becoming a critically reflective teacher“  äussert folgendes:

“We teach to change the world. The hope that undergirds our efforts to help students learn is that doing this will help them act towards each other, and to their environment, with compassion, understanding and fairness. But our attempts to increase the amount of love and justice in the world are never simple, never ambiguous. What we think are democratic, respectful ways of treating people can be experienced by them as oppressive and constraining. One of the hardest things teachers learn is that the sincerity of their intentions does not guarantee the purity of their practice. The cultural, psychological and political complexities of learning, and the ways in which power complicates all human relationships (including those between students and teachers) means that teaching can never be innocent. …

As this paper has shown, critical reflection is inherently ideological. It is also morally grounded. It springs from a concern to create the conditions under which people can learn to love one another, and it alerts them to the forces that prevent this. Being anchored in values of justice, fairness and compassion, critical reflection finds its political representation in the democratic process. Since it is difficult to show love to others when we are divided, suspicious and scrambling for advantage, critical reflection urges us to create conditions under which each person is respected, valued and heard. In pedagogic terms this means the creation of democratic classrooms. In terms of professional development it means an engagement in a continuous critical conversation.“

Die Aufdeckung von Machtverhältnissen und Hegemonie ist Voraussetzung für eine kritische Selbstreflexion des Lehrers, welche ihrerseits die Grundlage für Lernprozesse und Veränderungen im System Schule-Lehrer-Schüler ist. Zum Lehrer–Schüler–Machtverhältnis sagt Claudio Caduff: „Es handelt sich um eine Partizipation zwischen Ungleichen!“ Darauf möchte ich in meinem nächsten Blogeintrag eingehen. Die Schule sollte selbst wieder zur Keimzelle von gelebter Demokratie werden.

Fazit:

Nein, man sollte nicht in tradierten Schulsystemen und Unterrichtsformen verharren, sondern Veränderungen anstossen, die zu mehr Mitspracherecht der Betroffenen führen. Das sind sowohl die Lehrer als Weltverbesserer im etablierten Schulsystem als auch die Schüler selbst. Lehrer müssen ihnen Lernarrangements (Sozialformen, Methoden und Medien) anbieten, mit welchen die Schüler an der Unterrichtsplanung, -durchführung und -evaluation partizipieren und selbstreguliert lernen können.

Ja, Bloggen ist einerseits ein adäquates neues Medium, um soziale Netzwerke zu schmieden und vom Recht zur Meinungsfreiheit wirksamen Gebrauch zu machen. Dabei sollten wir uns aber auch immer wieder einmal bewusst machen, dass dieses Gut ein Privileg der abendländischen Demokratien ist, und wir es nicht nutzen sollten, um uns in Beliebigkeit und Belanglosigkeiten eines satten Lebens zu verlieren. Ich hinterfrage mich also vorher, ob und wie ich meiner Umwelt wirklich etwas Gehaltvolles mitzuteilen habe oder nicht?

Somit habe ich das Bloggen jetzt auch andererseits als ein für mich interaktives Lern- und Kommunikationsmedium zur Selbstreflexion sowie  zum Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrungen in einer grossen sozialen Lerngruppe akzeptiert und werde versuchen, diese Lernaufgabe auch handwerklich gut umzusetzen. Ich betrachte meinen ersten Blog hier also als öffentlich einsehbares „Reflexions-Tagebuch meiner berufspädagogischen Studienreise an der PHTG“ und lade interessierte Mitleser zu Kommentaren ein, die mir weitere Anregungen geben.

Weiterführende Artikel:

Ägypten: Die Blogger und der Umsturz
Ägypten: Tod des Bloggers Khaled Said / Das entstellte Gesicht des Protests
Twitter-Revolution, Facebook-Revolution – ein kleiner Grundkurs für Revolutionäre

26/03/2011

Lerngruppe und Bloggen

Filed under: Uncategorized — adlehm @ 22:57

Blogeintrag zur Erinnerung: Folgendes schrieb ich am 06.10.2010 zum Thema „Reflexion zur Lerngruppe und zum Bloggen“ auf MOODLE elearn im Rahmen des Moduls Berufspädagogik 2010/2011 an der PHTG Kreuzlingen:

Meine ganz persönliche Meinung:

Das Bloggen ist für mich … ganz neu. Bisher gab es auch keine persönliche Notwendigkeit, auf diesem Wege zu kommunizieren – lasse mich aber gern davon überzeugen, dass es für bestimmte Anwendungsgebiete durchaus ein Arbeitsmittel sein kann. Ich gehe lieber den direkten Weg auf Leute zu. Wir stellen dann doch sehr schnell fest, ob die Chemie stimmt und ob wir auf dem gleichen Kompetenz-Level sind.

Daraus kann sich dann auch eine gute Lernpartnerschaft entwickeln, sofern sie denn punktuell nötig ist – ein gewisser Grad an Selbständigkeit und eigenem Tatendrang zum Lernen immer vorausgesetzt. So habe ich schon in anderen Kursen innerhalb weniger Tage „inoffizielle effiziente Lernpartnerschaften“ mit „Seelenverwandten“ gefunden, denen ich dann so nebenbei wohl auch mal etwas Persönliches anvertrauen kann, das nichts mit dem eigentlichen Lernprozess zu tun hat …

Was die verschiedenen Lernplattformen anbelangt, bin ich grundsätzlich erst einmal offen für alles – sofern sich der Nutzen gegenüber dem Aufwand noch zeigt. Was IT-Anwendungen generell betrifft, habe ich in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht:  Probieren geht über Studieren („Learning by doing“). Es ist ja das notwendige „Handwerkszeug“. Also habe ich mich in meinem Arbeitszimmer zu Hause (welcher der Ort ist, an dem ich mich automatisch sofort konzentrieren kann) an den PC gesetzt und auch mal bei Wikipedia nachgeschaut, was so alles unter diesen neuen Programmen und Begriffen zu verstehen ist und wofür sie eigentlich designed wurden. Danach habe ich mich intuitiv durch das Netzwerk „gewurstelt“ und war auch erstaunlich schnell bei „Huddle-Moodle & Co“  🙂  angemeldet …

Unsere Lerngruppe hat sich nicht unter dem Gesichtspunkt  „Angebot und Nachfrage“ von für einen selbst wichtigen Charaktereigenschaften und Fähigkeiten zur Problemlösung gesucht oder gefunden. Wir (Lukas, Robert und ich) waren nach der letzten Präsenzveranstaltung einfach nur übrig geblieben. Das nennt man dann wohl „Sich-Zusammen-Raufen“  🙂 …

Hauptthema war … die Anmeldung bei den verschiedenen Lernmanagementsystemen und ihre Anwendung sowie der ILIAS-Test. Im Gruppengespräch stellte sich heraus, dass nicht jeder den gleichen persönlichen Zugang zu den „neuen Medien“ hat, und der Ehrgeiz, sie dennoch einzusetzen, davon abhängt, ob man einen wirklichen Nutzen erkennen kann. Desweiteren ergaben sich Gespräche, in denen wir dem anderen die Möglichkeit gaben, uns näher kennenzulernen.

Im großen und ganzen bleibe ich mal skeptisch! Zeit und Effizienz sind neben Lernen durch Selbstreflektion ja auch wichtige Kenngrößen. Und ich hätte – ganz ehrlich – gern mehr Zeit für die eigentliche Lernlektüre meiner diversen Kurse. Aus diesem Grunde bin ich wohl heute Nacht auch die allerletzte beim Bloggen vor der morgigen Präsenzveranstaltung.

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