Adlehm's Blog

21/06/2011

Selbstreflexion zum Lernauftrag „Blog“ und andere Einsichten zum BP-Modul

Das ist nun mein letzter Eintrag. Dieser Leistungsnachweis des „Bloggens“ für das Modul Berufspädagogik wäre damit erst einmal abgeschlossen. 15 Einträge zu relevanten und berufspädagogischen Themen von sprachlich und inhaltlich hoher Qualität sollten gemacht werden. Ich glaube diesem Anspruch bin ich gerecht geworden. Weniger „gerecht“ 🙂 sind die mickrigen 20 LP, die es für diesen Mordsaufwand maximal zu erreichen gibt. Wenn ich vorher gewusst hätte, was mir da an Tag- und Nacht-Reflexionen blüht (besonders, wenn frau so eine blühende Phantasie und nur so herum-assoziierende Synapsen im Hirn hat), na dann hätte ich mir wohl gleich andere Aufgaben gesucht, die etwas zügiger zu erledigen gewesen wären.

Aber nein, ich will ja überhaupt nicht meckern. Nichts im Lernen ist umsonst. Und da ich eindeutig ein „intrinsisch motivierter Schüler“ bin (wie mir eindrücklich in den „Motivations-Vorlesungen“ im 2. Semester des Moduls „Einführung in die Erziehungswissenschaften und Empirische Bildungsforschung“ sehr frontal vermittelt wurde 🙂 !!!), habe ich das Tool in vielerlei Hinsicht schätzen gelernt.

Der Blog kann auch gut zur Prüfungsvorbereitung eingesetzt werden. Den „Lernstoff“ zu reflektieren und so zu strukturieren, dass er in kurze knappe treffende Sätze gebracht wird, hilft gleichzeitig, ihn tiefer im Langzeitgedächtnis abzuspeichern, um ihn dann hoffentlich in passenden realen Situationen (und nicht nur zur Prüfung) abrufbereit für Handlungsalternativen im pädagogischen Kontext zu haben.

Theorie ist das eine, aber den Praxistest als Lehrer wirklich bestehen, ist etwas ganz anderes. Die Lektüre von „Einfach Systemisch“ hat mir hierbei viele praktische Anregungen gegeben, wie das Idealbild des Lehrers als Lernbegleiter, Coach und Manager über einen „systemischen Blick“ auf Schüler und Schule umgesetzt werden kann.  Systemisch denken lernen heisst, Personen in ihren verschiedenen Beziehungssystemen quasi von der Meta-Ebene aus zu betrachten und zu wissen, dass sie nur das Verhalten an den Tag legen, welches sich aus den gegenseitigen Beziehungen und Beeinflussungen der Personen des sozialen Systems und der jeweiligen Umwelt ergibt. Die Zuweisung von festen Eigenschaften (wie z.B.: Er ist ein fauler Schüler.) ist falsch, weil sein Verhalten ganz andere Ursachen haben kann (wie z.B.: Er passt am Abend auf die kleinen Geschwister auf, weil die alleinerziehende Mutter dann nämlich noch einen Putzjob zu erledigen hat). Zirkuläre Fragen helfen dann, den Blick zu weiten und den betroffenen Schüler zu zukunfts- und lösungsorientieren  Handlungen anzuregen.

In diesem Sinne werde ich mich wohl mein Leben lang an das lehr- und lernreiche BP-Modul zurückerinnern, in dem ich mit so vielen Handlungprodukten des Lernens als Leistungsnachweise beschäftigt war und die mir bis dahin teilweise sehr fremd waren: Blog, Posterpräsentation, Online-Diskussionen, E-Assesment, Fallstudie, Interview, E-Portfolio auf Mahara, Moodle und Illias, Buchzusammenfassungen, Erstellung von Lernjobs und Lernmaterialen. Und nicht zu vergessen die „Nicht-Produkte“ – nämlich die vielen Lern-Reflexionen in jeder Gehirnwindung! 🙂 Lernen ist ja am Ende doch ein ganz individueller Prozess und lässt sich nicht notwendigerweise an Leistungsnachweisen erkennen.

Vielen Dank auch meinen vielen verschiedenen Lernpartnern auf dieser Bildungsreise – ganz besonders aber Simon für die intensive gegenseitige Lernbegleitung (selbst noch zu fortgeschrittener Stunde) und Max Woodtli – unserem Modul-Leiter und Coach.

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15/06/2011

Der dritte Lernort – Überbetriebliche Kurse

Die heutige Berufslehre in der Schweiz ist als duale, mehrheitlich aber triale Ausbildung an 2 bzw. 3 Lernorten (in 2 bis 4 Jahren Dauer) angelegt. Das Bundesgesetz über die Berufsbildung weist diesen spezifische Aufgaben zu:

  1. Der Lehrbetrieb: vermittelt die „Bildung in beruflicher Praxis“ in 60-80 Prozent der Ausbildungszeit.
  2. Die Berufsfachschule: vermittelt die „allgemeine und berufskundliche schulische Bildung“ in der Regel in ein bis 2 Tagen pro Woche.
  3. Die überbetrieblichen Kurse: dienen der „Ergänzung der Bildung in beruflicher Praxis und schulischer Bildung, wo die zu erlernende Berufstätigkeit dies erfordert“.

Diese zusätzlichen Veranstaltungen von wenigen Wochen verteilt über die ganze Lehrzeit finden zumeist in Ausbildungszentren statt, die von den OdA (Berufs- und Brancheverbänden) getragen werden. „Sie beurteilen zusammen mit den Verbundpartnern (Lehrbetrieb, Berufsfachschule), welche Ausbildungselemente (Inhalte usw.) der beruflichen Grundbildung weder von der Schule noch vom Lehrbetrieb alleine kompetent gefördert werden können. Sie stellen ebenso die Fachleute aus der Praxis für die Kurse zur Verfügung. Dauer und Verteilung der ÜKs variieren von Beruf zu Beruf und werden deshalb im Bildungsplan des jeweiligen Berufes festgelegt.“

Dieser sogenannte dritte Lernort dient letztlich dem Theorie-Praxis-Abgleich und der Zusammenführung von schulischem und praktischem Wissen „in Arbeiten mit einem hohen Komplexitätsgrad und zwar ausserhalb der unmittelbaren Produktion“ des Lehrbetriebes. Die Lernenden dürfen hier Fehler machen und durch Reflexion darüber lernen. Anhand verschiedener Problemstellungen sollen die Lernenden Grundlagenwissen und Regelwissen in prasixnahen Situationen anwenden lernen. Zudem können sie ihr aktuelles Praxis-Wissen aus dem Betrieb vertiefen und nachträglich in grössere Zusammenhänge einordnen sowie schulisches theoretisches Hintergrundwissen praktisch umsetzen.

„Neben dieser didaktischen Diskussion wird für manche Berufe der gesetzliche Auftrag extensiv ausgelegt, und die üK werden dazu eingesetzt, Lücken in der Ausbildung von Lernenden zu schliessen, die eine Folge der Spezialisierung mancher Betriebe sind.“

(vgl. E. Wettstein, P. Gonon: Berufsbildung in der Schweiz)

Bereits während unseres Lerngruppenauftrags zur Durchführung einer speziellen Fallstudie zur Ausbildung einer Pharma-Assistentin, hatte mich die Umsetzung der überbetrieblichen Kurse interessiert. Nachstehende Dokumente verdeutlichen wie diverse berufsbezogene Themen und Kompetenzen anhand verschiedener Problemstellungen den Lernenden in praxisnahen Situationen persönlich relevant vermittelt werden können, wie z. B. der Suchtpatient, Reise- und Impfauskünfte, Anmessen von Stützstrümpfen, Beratung zu Zecken und Läusen. 🙂

üK_Einladung_1. Lehrjahr

üK_Einladung_2. Lehrjahr

üK_Einladung_3. Lehrjahr

Bildungsberichte zu üKs

Bildungsplan_Pharmaassistentin_üKs_Seiten54+55

11/06/2011

Berufsbildung – eine Verbundaufgabe

 Im  Gegensatz zu Deutschland, wo jedes Bundesland sein eigenes Bildungs-Süppchen kocht, ist in der Schweiz die schrittweise Reformierung der Bildungslandschaft hin zu einem konkurrenzfähigen modernen Bildungssystem eine nationale Aufgabe, bei der auch viel Geld in die Hand genommen wird.

Die Berufsbildung ist hierbei eine Verbundaufgabe von Wirtschaft und Staat, insbesondere von

  1. Bund
  2. Kantonen und
  3. Organisationen der Arbeit (OdA).

Die Berufsbildung untersteht hier somit dem Eidgenössichen Volkswirtschaftsdepartement (EVD), genauer gesagt dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT). Der Bund übernimmt die strategische Steuerung und Entwicklung und leistet bis zu 25 % der Kosten, die die öffentliche Hand trägt. Er erlässt alle Bildungsverordnungen (BIVO), die jeweils genau definieren, was den betreffenden Beruf ausmacht und was die Bildungsinhalte sind. Es gibt 256 reglementierte Berufe mit EFZ-Abschluss und 54 Anlernberufe mit EBA-Abschluss.

Die Kantone übernehmen die Umsetzung der Berufsbildung und die Lehraufsicht, finanzieren die Berufsfachschulen (BFS) und tragen weitere Kosten der öffentlichen Hand abzüglich der Beiträge des Bundes und einiger Gemeinden.

Die entsprechende Dienststelle zum Vollzug der Vorschriften über die Berufsbildung ist das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung des jeweiligen Kantons. Es übernimmt hier wichtige Funktionen, u.a.:

  • Berufs- und Studienberatung
  • Lehraufsicht
  • Überprüfen von Lehrverträgen auf Einhaltung des Arbeitsrechts
  • Organisation der Lehrabschlussprüfungen mit EFZ und Stellen der Prüfungskommissionen
  • Entrichten der Schulgelder (auch an ausserkantonale BFS für Auszubildende in seltenen Berufen, welche im eigenen Kanton nicht angeboten werden können, z.B. Exoten wie Sennensattler oder Korbflechter)
  • Erteilung von Ausbildungsbewilligungen an Betriebe

Details zum Kanton Thurgau lassen sich beim ABB Thurgau erfahren.

Die OdA (Berufsverbände und Branchenorganisationen) übernehmen Steuerungsaufgaben der eigentlichen Ausbildung für ihre Mitgliedsbetriebe betr. Bildungsinhalte und Ausbildungsplätze und beteiligen sich u. a. an den Kosten der überbetrieblichen Kurse (üK).

Der Lehrbetrieb übernimmt die Kosten der betrieblichen Bildung (Lohn, Aufwendungen für Arbeitsplätze, Entschädigung für Aufwendungen des Lernenden).

Andererseits tragen die Berufslernenden zum grössten Teil selbst zur Kostendeckung ihrer betrieblichen Ausbildung bei – nämlich durch den Erlös ihrer produktiven Arbeit.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht für alle Beteiligten auf: die jungen Lernenden erwerben Berufs- und Handlungskompetenz, die Betriebe sichern sich ihren Nachwuchs und die Wirtschaft bleibt konkurrenzfähig.

05/06/2011

Modularisierung in der Berufsbildung

Filed under: Uncategorized — adlehm @ 23:39
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Die hinter Modulsystemen stehende Idee ist, offene Lernsysteme zu schaffen, in denen Lernende sich aus einem Angebot einen eigenen Lernplan zusammenstellen können, um über anrechenbare bereits erworbene Handlungskompetenzen in Kombination mit den noch zu absolvierenden Modulen zu einem bestimmten anerkannten zertifizierten Abschluss zu gelangen.

Weiteres Ziel ist, die Durchlässigkeit in unterschiedliche Ausbildungsgänge zu garantieren, damit Lernende sich auch umorientieren und ihren Lernweg selbst mitbestimmen können. Modulsysteme unterstützen die Entwicklung von Kompetenzen des aktiven selbstregulierten Lernens – ein Leben lang.

In einer sich stetig neu-konstruierenden globalisierten Welt braucht es Menschen, die mit den stetigen und immer schnelleren Veränderungen Schritt halten können und sich reaktionsschnell auf neue Lebenssituationen einstellen zu können – vergleichbar mit einer Evolution im Zeitraffer.

So einfach und logisch das Gestaltungsmodell der Modularisierung klingt, um der Heterogenität von Lernenden gerecht zu werden, umso schwieriger ist es, ein funktionierendes Baukastensystem mit sinnvoll aufeinander abgestimmten Modulen aufzubauen, so dass die gleichen Module in mehreren Lehrgängen mit unterschiedlich qualifizierendem Abschluss eingesetzt werden können.

Insbesondere schwierig ist dies in der Berufsbildung zu realisieren. Es braucht lange Vorlaufzeiten, klare Zielsetzungen und genaue Definitionen der Einzelmodule. Schliesslich wollen die Lernenden auch sicher sein, dass sie am Ende des „flexiblen Lern-Puzzles“ dennoch einen anerkannten qualitativ hochwertigen Lehrabschluss in der Tasche haben, der marktfähig und international vergleichbar ist.

Also braucht es Standards, um die Qualität, Transparenz und Flexibilität von Modulsystemen zu garantieren. Da sie sich zudem an den Bedürfnissen der Lernenden orientieren sollen, ist ein Modulsystem selbst auch ein Qualitätsentwicklungsprojekt, das der stetigen Überprüfung und Anpassung bedarf.

An der PHTG beispielsweise sind die Lernenden aufgefordert, am Ende jeden Moduls eine persönliche Evaluation abzugeben, so dass die nächste Generation von Studierenden von Qualitätsverbesserungen profitieren kann. Letztlich nehmen die Lernenden so auch selbst am Auf- und Ausbau ihrer Lernumgebung im Bottom-up-Verfahren teil.

Ein bemerkenswertes Beispiel eines Baukastens im Rahmen eines tertiären Berufskonzepts stellt die Weiterbildung für Schreiner in der Schweiz dar.

Dieses durch den Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) im Top-down-Verfahren  entwickelte Modulsystem führt je nach Kombination zu 7 verschiedenen Diplomen.

In der Schweiz wird im Zusammenhang mit Reformen im Bildungsbereich bereits seit den 70er Jahren die Idee verfolgt, auf bestehenden Strukturen aufbauend die Modularisierung in Ausbildung (Tertiärstufe) und Weiterbildung (Quartärbereich) schrittweise einzuführen. Praktische Unterstützung, um Module zu definieren und umzusetzen, bietet das Projekt ModuQua – ein Verein, der sich „für die qualitätsorientierte Entwicklung des modularen Systems gemäss den Vorgaben des Berufsbildungsgesetzes und der dazugehörenden Verordnung engagiert und mit Bund, Kantonen, Privaten und Verbänden zusammenarbeitet“ (vgl. http://www.moduqua.ch).


28/05/2011

Modularisierung

Wie lässt sich der Begriff  Modularisierung definieren und welche Vorteile bringt dieses Gestaltungsprinzip?

Bei der Lektüre von Emil Wettstein und Philipp Gonon zur Berufsbildung in der Schweiz konnte ich folgendes herauslesen:

Modularisierung ist die Gliederung von Bildungsinhalten in genau beschriebene Einheiten, die Teil verschiedener Lehrgänge sein können und in unterschiedlicher Kombination auch zu verschiedenen Bildungsabschlüssen führen (Baukastensystem).

Eine bestimmte Berufsqualifikation (d.h. erwünschte Handlungskompetenz mit einem zertifizierten formalen Abschluss) besteht also aus einer bestimmten Kombination von standardisierten Elementen (Teilqualifikationen), d.h.  sogenannten Modulen. Jedes dieser Module kann einzeln belegt werden und ist eine autonome, geschlossene Lerneinheit, die mit einem Kompetenznachweis abgeschlossen wird. Mehrere Module ergeben  einen Bausatz und führen zu einem bestimmten Berufsabschluss.

In meinem Falle ist der angestrebte Studienabschluss an der PHTG der „Master of Arts in Secondary and Higher Education“ im Fach Englisch, den ich über die Teilnahme an verschiedenen Modulen zu erreichen suche:

  • Einführung in die Erziehungswissenschaften / Empirische Bildungsforschung
  • Angewandte Erziehungswissenschaften
  • Allgemeine Didaktik
  • Fachdidaktik Englisch einschliesslich 2 Erfahrungspraktika
  • Berufspädagogik
  • Informations- und Kommunikationstechnologien
  • zusätzliche Berufsunterstützende Attestkurse, wie z.B. „Lernen durch Podcast unterstützen“.

Nur eine dieser Teilqualifikationen erwerbe ich in einem Modul zusammen mit Kollegen desselben Unterrichtsfaches, nämlich die Fachdidaktik Englisch. Alle anderen Module werden von allen Lehrer-Studenten besucht, egal ob sie ihren Lehrabschluss nun im Fach Mathematik, Physik, Biologie, Geschichte, Wirtschaft, Italienisch oder anderen machen.

Jeder Studierende ist frei zu entscheiden, wann er ein Modul durchlaufen will – sofern es in dem betreffenden Studienjahr angeboten wird. Unwissende Studienanfänger machen alle Kurse in einem Jahr und merken dann schnell, dass ihnen dabei die Puste ausgeht, so dass sie dann doch noch um mindestens 1 Semester verlängern müssen, um alle Leistungsnachweise wirklich „leistungsgerecht“ einzureichen. 🙂

Modularisierung bringt entscheidende Vorteile:

  • sie kann differenziert auf den unterschiedlichen Ausgangsqualifikationen der (Weiter)bildungsteilnehmer aufbauen (heterogene Zielgruppen mit unterschiedlicher beruflicher Qualifikation, Berufs- und Lebenserfahrung)
  • somit höhere Flexibilität (Anpassungsfähigkeit) im lebenslangen Lernen
  • gewährt leichtere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungsgängen
  • mehr Wirtschaftlichkeit / Lernressourcenorientierung und bessere Vereinbarkeit der Weiterbildung mit Berufstätigkeit und Familie
  • individuelles, selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Lernen (Zeit, Ort, Ressourcen)
  • transparente und kohärente Modulsysteme, Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse
  • standardisierte, zertifizierte, trägerübergreifende Abschlüsse mit Arbeitsmarktwert
  • bereits erworbene Kenntnisse können angerechnet werden!!!

22/05/2011

Hochschulstudium oder Weiterbildung? Der Link der Modularisierung.

Mein Rahmenthema bei der Erarbeitung von Prüfungsfragen für das E-Assessment im BP-Kurs war die Weiterbildung in der Schweiz, d.h. der Bildungsbereich, der sich mit folgenden Worten beschreiben lässt:

  • lebenslanges Lernen
  • informelles Lernen
  • nicht-formale Bildung
  • allgemeine Weiterbildung
  • berufsorientierte Weiterbildung
  • berufsorientierte Fortbildung und Umschulung
  • Quartärbereich.

Das ist ein weites Feld und lässt sich vielleicht am ehesten so zusammenfassen, dass es das Lernen von Erwachsenen beschreibt, die nach einer unterschiedlich langen ersten Bildungsphase den organisierten Lernprozess aus beruflichen Gründen oder persönlichem Antrieb fortsetzen oder wiederaufnehmen.

Dann darf ich mich also ein sich stetig weiterbildender Erwachsener bezeichnen, denn ich habe einige Weiterbildungen nach meiner Schul- und Studienzeit auch berufsbegleitend durchlaufen und bin jetzt mit meinen didaktischen Studien an der PHTG wieder zu neuen Ufern unterwegs. Bei manchen Zeitgenossen trifft frau damit auf Unverständnis. Das Konzept des „lifelong learning“ hat sich eben noch nicht überall herumgesprochen. Bedenke man doch: „wer rastet – der rostet“ – auch im Kopf!

„Früher wurde die Weiterbildung – vor allem die allgemeine – auch Erwachsenenbildung genannt. Da diese von den Institutionen (Bund, Kantonen) gerne etwas vernachlässigt bis belächelt wurde, setzt sich der Schweizerische Verband für Erwachsenenbildung (SVEB) dafür ein, den Begriff Erwachsenenbildung konsequent mit dem Begriff Weiterbildung zu ersetzen“ und hat sich daher auch selbst in Schweizerischer Verband für Weiterbildungumbenannt (vgl. auch Emil Wettstein, Philipp Gonon: Berufsbildung in der Schweiz).

Für meine jüngeren Mitstudierenden ist das Studium zur Lehrperson Sekundarstufe II natürlich die Tertiärstufe d. h. ihre erste höhere Berufsausbildung nach der obligatorischen Schule und der Matura. Aber es gibt genauso viele ältere Mitstudierende, die sich in verschiedenen Lebensphasen zu diesem Studium (in Vollzeit oder berufsbegleitend über mehrere Semester) entschlossen haben. Ich habe mich daher gefragt, was ermöglicht es beiden Zielgruppen, diesen Ausbildungsgang trotz unterschiedlicher persönlicher Voraussetzungen, Präferenzen und Ressourcen zu durchlaufen.

Die Antwort ist: das organisatorische Gestaltungsprinzip der Modularisierung des Studienganges. Dies ist mir erst beiläufig beim Erarbeiten des Themas Weiterbildung für das E-Assessment bewusst geworden. Wettstein und Gonon schreiben dazu: „Was in der beruflichen Grundbildung die Ausnahme darstellt, ist in der Weiterbildung der Normalfall: die Modularisierung.“

Die PHTG als Bildungseinrichtung der Tertiärstufe hat hier ein probates Mittel gefunden, um heterogenen Zielgruppen die Möglichkeit zur Lehrerausbildung zu geben und dem Lehrermangel entgegen zu wirken. Lernmodule bieten „Gelegenheiten“ zum selbstbestimmten, selbstorganisierten Lernen in unterschiedlichen Zeitfenstern.

Für Wieder- oder Quereinsteiger mag man das Studium formell „Weiterbildung“ nennen, aber auf die Bezeichnung kommt es gar nicht an. Wichtig ist, dass unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens „Lerngelegenheiten“ geschaffen werden, wo die gewünschte Bildung jedem ermöglicht wird – sofern er gewisse Zulassungsvoraussetzungen den Bildungsstand betreffend erfüllt – egal welchen Alters, ob berufstätig oder noch Mutter und Hausfrau.

16/05/2011

Exkursion ins Schweizer Bildungssystem (Teil III) – Die Berufsmaturität

Filed under: Uncategorized — adlehm @ 06:06
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Die Berufsmaturität (Berufsreifeprüfung) – auch „Fachhochschulreife / fachgebundene Hochschulreife“ genannt – wurde 1994 eingeführt als Brücke zwischen der Berufsbildung und der akademischen Bildung. Berufslernende oder Berufsleute können so eine erweiterte und vertiefte Allgemeinbildung in Ergänzung zu ihrer beruflichen Grundausbildung erwerben. Die Absolventen erhalten eine eingeschränkte Zugangsberechtigung für ein fachgebundenes / facheinschlägiges Studium an einer Höheren Fachschule (HF) oder Fachhochschule (FH) – nicht zu verwechseln!

Wer nicht nur fachgebunden studieren möchte, kann nachträglich mit dem erfolgreichen Bestehen einer Ergänzungsprüfung – genannt „Passerelle“ – auch die Studienberechtigung für alle Universitäten oder ETH erwerben.

Die berufliche Grundbildung einschliesslich Berufsmaturität wird im Berufsbildungsgesetz (BBG) gültig seit 1. Jan. 2004, ergänzt durch die Berufsbildungsverordnung (BBV) vom 19. Nov. 2003 sowie die Berufsmaturitätsverordnung (BMV) vom 24. Juni 2009 geregelt. Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) ist für die Weiterentwicklung der Berufsmaturität zuständig.

Die „Berufsmaturität“ (BM) lässt sich in verschiedenen Ausbildungsgängen erwerben:

BM HMS: Die 4-jährige Ausbildung an einer Handelsmittelschule – auch „Wirtschaftsmittelschule“ bezeichnet – bietet mit dem Modell 3 + 1 (3 Jahre schuldominierte Grundbildung + 1 betriebliches Praxisjahr) eine berufsorientierte kaufmännische Vollzeitausbildung, die zunächst mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) „Kaufmann / Kauffrau“ (früher „Handelsdiplom“) zu einem Berufsabschluss führt. Darüberhinaus kann die kaufmännische Berufsmaturität erworben werden.

BM IMS: Informatikmittelschulen sind spezielle Lehrgänge der HMS und „entstanden Ende der Neunzigerjahre, als rasch mehr Ausbildungsplätze für Informatiker/innen gebraucht wurden“ (E. Wettstein, P. Gonon: Berufsbildung in der Schweiz, 2009). Sie führen ebenfalls zu 2 Abschlüssen, dem Berufsabschluss EFZ „Informatiker/in“ und der kaufmännischen Berufsmaturität.

Die Berufsmatura kann auch an einer Berufsmaturitätsschule – der allgemeinbildenden Abteilung der Berufsfachschulen – absolviert werden, entweder als:

BM 1: lehrbegleitende Berufsmatura

Sie ist an eine Lehrstelle und einen Lehrvertrag gebunden. Sofern der Lehrbetrieb einverstanden ist, kann während der beruflichen Grundbildung (3- bis 4-jährige Lehre) bei einer Abwesenheit vom Lehrbetrieb von ca. 2 Tagen pro Woche sowohl der Berufskundeunterricht der Berufsfachschule (1 Tag) und der allgemeinbildende Unterricht an der BMS besucht werden. Es gibt keine Probezeit, jedoch kann die Promotion ins nächste Semester einmal provisorisch erfolgen, wenn der Lernende unter dem Notendurchschnitt liegt.

oder BM 2: als Tagesschule nach bereits erfolgtem Lehrabschluss und Erhalt des jeweiligen EFZ

a) in einem Vollzeitlehrgang von 2 Semestern oder

b) berufsbegleitend in 3 bis 4 Semestern.

Lernende der BM 2 habe ich in meinem BP-Praktikum an der BMS Winterthur als besonders leistungsbereit und motiviert erlebt. Diese jungen Erwachsenen finanzieren sich zu grossen Teilen selbst und wollen ihre Lernziele effektiv erreichen.

Für die verschiedenen Berufsbereiche gibt es 6 unterschiedliche Richtungen der Berufsmatura. Abhängig vom Lehrberuf absolviert ein Berufslernender entweder die eine oder andere BM mit unterschiedlichen Bildungsschwerpunkten und dementsprechend anderer Gewichtung von Fächern und verschiedenen Stundentafeln.

1.      Technische BM   (z.B. Elektroniker, Konstrukteur, Informatiker, Automatiker, …)

2.      Gewerbliche BM   (z.B. Bäcker, Drogist, Hotelfachfrau, Maurer, Metzger, …)

3.      Kaufmännische BM   (z.B. Kauffrau, Detailhandelskauffrau, …)

4.      Gesundheitliche und Soziale BM   (z.B. Dentalassistentin, medizin. Praxisassistentin, …)

5.      Naturwissenschaftliche BM   (z.B. Landwirt, Forstwart, Tierpfleger, Biologielaborant, …)

6.      Gestalterische BM   (z.B. Hochbauzeichner, Coiffeuse, Bekleidungsgestalter, …)

An der BMS Winterthur werden die Schüler entsprechend ihrer Berufsrichtung in „integrierten Klassen“ zusammengefasst, was ein effektives berufzielorientiertes Unterrichten durch Synergien ermöglicht. Was mein Unterrichtsfach Englisch betrifft, stellte ich fest, dass die Klassen der Gesundheitlich-Sozialen BM in allen 3 BMS-Lehrjahren jeweils 40 Lektionen erhalten, hingegen die Klassen der Technischen BM doppelt so viele im 2. Lehrjahr.

Zudem werden bei der Kaufmännischen BM die Sprachen neben Wirtschaft und Recht stärker betont als in den anderen Richtungen.

Der BMS-Unterricht kennt für alle Richtungen die gleichen 6 Grundlagenfächer: erste Landessprache, zweite Landessprache, eine dritte Sprache (z.B. Englisch), Geschichte/Staatslehre, Volks-/Betriebswirtschaft/Recht und Mathematik. Zudem gibt es die oben erwähnten richtungsspezifischen Schwerpunktfächer und Ergänzungsfächer. Das sind Wahlpflichtfächer, z.B. auch die Vorbereitung auf das First Certificate in English.

Um Interdisziplinarität zu fördern, wird Projektarbeit durchgeführt (z.B. Themennachmittage bzw. Projektwochen), wobei Kenntnisse und Fertigkeiten aus verschiedenen Fachbereichen einfliessen und auch eine eigenständige schriftliche Abschlussarbeit erstellt wird.

Vorteile der Berufmaturität:

  • mehrdimensionales Ausbildungsprofil, dass berufliche Ausbildung mit akademischer Bildung verbindet
  • wertvolle Doppelqualifikation in Verbindung mit dem EFZ
  • breite naturwissenschaftliche und sprachliche Allgemeinbildung, Grundlagen der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften
  • hoher Praxisbezug
  • Lernende im Berufsleben mit erhöhter Sozial- und Selbstkompetenz (durch persönliche Reife, praktische Erfahrung und Unabhängigkeit)
  • steigert die Arbeitsmarktfähigkeit und Karrierechancen der Absolventen.

Hier noch zusammende Darstellungen:

zur  Berufsmaturität und

zum „Ausbildungsdschungel Bildungssystem Schweiz“, der aber nur vordergründig so verwirrend aussieht. Bei näherer Betrachtung kann man feststellen, dass das ganze System nicht starr, sondern in stetiger Weiterentwicklung begriffen ist und überall Wegabbiegungen und Durchlässigkeit in andere Ausbildungsgänge zulässt. Ein solches Bildungssystem, was mit der Zeit geht und lebenslanges Lernen fördert und fordert, würde ich mir auch sehr für Deutschland wünschen.

13/05/2011

Exkursion ins Schweizer Bildungssystem (Teil II) – Die Maturität / Matura

Was in Deutschland hinlänglich als Abitur bezeichnet wird, ist in der Schweiz die Matura bzw. Maturität (lat. maturitas „die Reife(prüfung)“ zum Abschluss einer höheren sekundären Schulausbildung (im Rahmen der Sekundarstufe II) nach der obligatorischen Volksschule von 9 bzw. neu 11 Schuljahren (Primar- und Sekundarstufe I).

Die Sekundarstufe II unterscheidet je nach Bildungsziel zwischen:

1. Allgemeinbildenden Bildungsgängen

an Maturitätsschulen (Gymnasien) mit dem Ziel der Studierfähigkeit. Das erste Semester gilt als Probezeit.

a) als Kurzeitgymnasium (KZG) von 4 Jahren im Anschluss an das 8. oder 9. Schuljahr der Sekundarstufe I oder

b) als Langzeitgymnasium (LZG) von 6 Jahren im direkten Anschluss an die Primarstufe

2. Berufsbildenden Ausbildungsgängen 

mit dem Ziel der Erwerbsfähigkeit in einer Berufstätigkeit.

a) 2-jährige berufliche Grundausbildung mit weniger hohen schulischen Anforderungen (ehemals „Anlehre“)  sowie dem Abschluss „Eidgenössisches Berufsattest“ (EBA)

b) klassische Berufslehre als duale Ausbildung im Lehrbetrieb über 3 Jahre mit jeweils 1 Tag in der Berufsfachschule und Lehrabschlussprüfung „Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis“ (EFZ)

c) moderne Berufslehre – auch „Betriebslehre“ genannt – als triale Ausbildung, d.h. wie b) nur zusätzlich mit überbetrieblichen Kursen von 1-2 Wochen und Lehrabschlussprüfung EFZ

d) Lehre mit praktischer Ausbildung in schuleigenen Lehrwerkstätten (hervorgegangen zumeist aus betriebsinternen Lehrlingsabteilungen) und Lehrabschlussprüfung EFZ

e) Lehre in Lehrbetriebsverbünden (als Zusammenschluss von Betrieben, die nur gemeinsam alle Teile eines Ausbildungsprogramms abdecken können) mit Lehrabschlussprüfung EFZ, wobei ein Lehrling seine jeweilige Grundbildung von seinem „Leitbetrieb“ erhält

sowie durch die Weiterentwicklung des Schweizer Bildungssystems zur Anpassung an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und die Forderung nach lebenslangem Lernen und damit für eine erhöhte Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungsgängen auch viele

3. Mittelschulen

als „Mischformen in Mittelstellung“ mit doppelqualifizierendem Ziel, d.h. mit grösseren oder kleineren berufqualifizierenden Anteilen:

a) Fachmaturitätsschule / Fachmittelschule (FMS)

————————————————————–

b) Handelsmittelschule (HMS)

c) Informatikmittelschule (IMS)

————————————————————–

d) Berufsmaturitätsschule / Berufsmittelschule (BMS)

Weiterhin werden 3 verschiede Arten der Matura unterschieden:

1.      gymnasiale Maturität

2.      Fachmaturität

3.      Berufsmaturität

Der Abschluss der Matura am Gymnasium – auch „Allgemeine Hochschulreife“ genannt – berechtigt zum prüfungsfreien Zugang zu einem Studium an einer Universität oder einer Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH). Die Anforderungen an die gymnasiale Maturität sind im Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) vom 15. Feb. 1995 festgelegt: Das sind Leistungen in

  • 7 Grundlagenfächern (erste und zweite Landessprache, eine dritte Sprache (z.B. Englisch), Mathematik, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Einführung in Wirtschaft und Recht, Bildnerisches Gestalten/Musik
  • 1 Schwerpunktfach (aus 8 zur Wahl stehenden, u.a. auch Sprachen, z.B. Englisch oder Russisch)
  • sowie 1 Ergänzungsfach (aus 13 Wahlpflichtfächern, u.a. auch Informatik).

Sperrklauseln bei der Auswahl verhindern billige Lösungen. Zudem wird eine Maturaarbeit als eigenständige umfangreichere schriftliche Arbeit in die Bewertung mit einbezogen.

Für Schüler, die zunächst weder die Matura noch eine Berufsausbildung anstreben, eignet sich die FMS als Nachfolgerin der früheren Diplommittelschule (DMS). Die 3-jährige Ausbildung ist schulorientiert und bietet eine allgemeine und berufliche Vollzeitausbildung in verschiedenen Fachrichtungen (z.B. Gesundheit, Pädagogik, Kunst, Musik, Theater, Tanz u.a.). Sie führt zunächst zum „Fachmittelschulausweis“, der kein Berufsabschluss ist, sondern die Zulassung zum Studium an einer Höheren Fachschule (HF). Die Fachmaturität (Fachabitur) ist hier eine zusätzliche Spezialität, die in einem weiteren Jahr erworben werden kann und notwendig für die Zulassung an gewisse Fachhochschulen (FH) ist. Auch Lernende, die nach der Oberstufe / Sekundarstufe I noch keinen Lehrbetrieb gefunden haben, nutzen die FMS oftmals für ein Brückenjahr zur Orientierung.

06/05/2011

Lernziel „Lernen“

Wie definiere ich Lernen als Weg und Ziel unter der Prämisse meines Menschenbildes von Authentizität im Lehrberuf?

Meine ehemalige Lehrerin für Deutsch und Russisch auf der Abiturstufe (Matura), die mir bis heute als Original in Erinnerung geblieben ist und prägenden Einfluss auf meine Weiterentwicklung hatte, schrieb in meine Aphorismen-Sammlung (die früher auch als „Poesiealbum“ bezeichnet wurde):

„Jung sein heißt Flügel haben,

aber Flügel hat man, um zum Ziele zu fliegen und dabei alle Kräfte auszubilden,

Geist und Liebe und Leistung und Sinn für die Schönheit des Lebens“

 (Stefan Zweig)

Lernen ist ein Prozess und eine Funktion der Zeit; das geht nicht so hoppla, hopp von heute auf morgen. Es ist ein Entdeckungsflug, auf dem der Lernende individuell die verschiedenen Facetten des Lebens kennenlernt und ausprobiert, seinen ganz eigenen Charakter ausprägt und seine Stärken langsam ausbaut. Der Weg ist schliesslich das Ziel. Und jeder hat seine ganz eigene Route.

Schliesslich soll Lernen auch nicht nur egoistischer Selbstzweck  sein und als reine Leistungserbringung bewertet werden. Es sollte auch der sozialen Gemeinschaft nützen, weshalb ausser Wissen ebenso Mitgefühl, Teamgeist und Zivilcourage wichtige Lernparameter sind. Last but not least muss Lernen auch Spass machen. Das tut es am ehesten, wenn es mit dem Lernenden selbst, seinem Vorwissen, Vorstellungen und Wünschen etwas zu tun hat, so dass es schliesslich seiner „authentischen Entwicklung“ dient und somit zum höchst möglichen Mass an Welt- und Selbsterkenntnis führt.

In diesem Sinne betrachte ich sowohl „meine Schüler“ als auch mich selbst „die Lehrperson“ als stetig LERNENDEN. So werde ich einerseits versuchen, die vorgenannte Prämissen weitestgehend in meinem Unterricht zu Gunsten der Schüler zu berücksichtigen. Andererseits werde ich selbst darum bemüht sein, die Aufgabe des Lehrens als eigene spezielle Lernsituation mit jeweils vorgegebenen äusseren Parametern, als weitestgehend individuell lehrreich und ressourcen-orientiert zu gestalten.

„Wir fassen Didaktik vorläufig als Reflexion der Aufgabe,

durch Auswahl und Anordnung von Lehrgehalten

einen Brückenschlag zu bewerkstelligen

zwischen der Welt mit ihren Leistungs- und Tradierungsansprüchen auf der einen

und dem Menschen mit seinem Bildungsanspruch auf der anderen Seite“

(ZABECK 1968, S. 103)


Nach der Lektüre von Kersten Reichs „Konstruktivistische Didaktik“ fasse ich diese als einen ethischen Weg zum Ziel des Lernen lernens auf, welcher „gehirn-gerecht“ nach Vera F. Birkenbihl gepflastert sein sollte, und gleichzeitig eine interessante „Wegführung“ anbietet, die für den „fahrenden Gesellen“ emotional ansprechend und persönlich herausfordernd ist sowie Wegabbiegungen auf neue Pfade offen lässt. „Viele Wege führen nach Rom.“ Und wer reist schon gern allein? Es macht viel mehr Spass, die Welt gemeinsam zu entdecken und sich über das Erlebte mit anderen auszutauschen und sich darüber selbst zu (er)finden.

Entsprechend versuche ich in allen Unterrichtsphasen, die 5 elementaren Handlungsstufen nach John Dewey und ebenso die verschiedenen Handlungsebenen (Realbegegnung, Repräsentation, Reflexion) und Perspektiven wie sich Lernen vollzieht (konstruktiv, re- und dekonstruktiv, kreativ, sozial, situiert, emotional und individuell) zu berücksichtigen.

Da konstruktives Lernen Zeit kostet, können Kunstgriffe im Sinne von „blended learning“ bemüht werden, d. h. Lernphasen in denen die sehr motivierten Schüler nicht unbedingt im Klassenzimmer präsent sein müssen, sondern selbständig individuelle Lernjob-Hausaufgaben-Reisen (z.B. zur Informationsrecherche / e-lerning) zwischen einzelnen Lektionen unternehmen. Alle Phasen sollten sinnvoll aus dem Kontext aufeinander aufbauen und zu einem stetigen Wachstum an Lernmöglichkeiten, Handlungsperspektiven und vielfältigen Lernergebnissen führen.

Ich begreife die Konstruktivistische Didaktik nunmehr als eine Ermöglichungsdidaktik, in der die Lehrperson als Begleiter und Initiator von Lernprozessen und Erfolgserlebnissen zwar Lernsituationen ermöglicht, selbst aber in den Hintergrund tritt, indem sie nur minimal Instruktionen erteilt. Demgegenüber konzentriert sich das Lernen an sich beim Schüler selbst als Experte seiner persönlichen „Lernbegierden“. Er wird in möglichst allen Phasen des Unterrichts selbst aktiv –  in verschiedenen Sozialformen: entweder individuell oder interaktiv mit den Mitschülern und lernt schlussendlich die Unterrichtsinhalte handlungsorientiert im Kontext über die Erstellung sinnvoller Lernprodukte (z.B. Poster, Essay, Blog …). Zudem sollten verschiedene Ressourcen und Methoden zum Einsatz kommen (Arbeitsblatt, LMS, Poster, Präsentation, Video, Web 2.0-Elemente, …).

Checkliste Unterrichtsplanung basierend auf:

  • Kersten Reich’s „Konstruktivistische Didaktik“
  • John Dewey’s „Fünf Stufen des Lernens“
  • Howard Gardener’s „Multiple Intelligenzen“


01/05/2011

Authentizität im Lehrberuf

Was ist für mich ein guter Lehrer? Welche meiner Lehrer sind mir positiv in Erinnerung geblieben und haben mich auf meinen Lebensweg nachhaltig geprägt?

Fast alle meiner früheren LehrerInnen waren gute Lehrer, vor deren Fach- und Sozialkompetenz ich natürlichen Respekt hatte. Aber nur einige wenige hatten noch etwas mehr – nämlich Authentizität und natürliches Charisma.

Nur bei diesen lernte ich nicht nur wegen der Prüfungen und Noten, sondern nahm ihnen auch persönlich ab, was sie im oder ausserhalb des Unterrichts an Lernwissen und Lebensweisheit vermittelten. Sie waren als Menschen massgebend für mein weiteres Denken und von ihnen „übernahm“ ich richtungsweisende Anregungen. Auch wenn sie konsequent und fordernd waren, umso mehr freute mich das Lob oder eine gute Benotung aus solchem kompetenten Munde

Zudem war im Gesellschaftssystem Ostdeutschlands, indem ich „erwachsen“ wurde, die Kompetenz, zwischen „Schein und Sein“ des Gegenübers unterscheiden zu können, überlebenswichtig. Andererseits war die Courage einiger Lehrer, persönliche Echtheit, Korrektheit und Integrität auch tatsächlich vorzuleben, sehr wichtig für damalige Schüler, die heute „unverbogene“ Persönlichkeiten sind und sich nicht mit allem abfinden, was von aussen auf sie einwirkt.

Damals wie heute mag ich keine Lehrer-Schauspieler. Oberste Maxime meines Denkens und Handelns als Lehrperson ist daher: „Teach it like you preach it“.  Ich werde S nur das vermitteln, wofür ich auch selbst einstehe. Und in puncto Integrität, dürfen sie mich beim Wort nehmen und dürfen darauf vertrauen, dass sie im Zentrum stehen und ich dahinter zurücktrete. Andererseits möchte und werde ich mich selbst nicht für Fremdziele verbiegen müssen.

Bei Wikipedia habe ich für meine persönliche Definition von „Authentizität“ nochmals Rückbestätigung erhalten:

Authentizität bezeichnet eine kritische Qualität von Wahrnehmungsinhalten (Gegenständen oder Menschen, Ereignissen oder menschliches Handeln), die den Gegensatz von Schein und Sein als Möglichkeit zu Täuschung und Fälschung voraussetzt. Als authentisch gilt ein solcher Inhalt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung, unmittelbarer Schein und eigentliches Sein, in Übereinstimmung befunden werden. Die Scheidung des Authentischen vom vermeintlich Echten oder Gefälschten kann als spezifisch menschliche Form der Welt- und Selbsterkenntnis gelten …

Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt. Wenn bei einer Person allerdings die Eigenschaft, dass ihr Handeln durch äußere Einflüsse bestimmt wird, als Persönlichkeitsmerkmal oder Charakterzug bezeichnet werden kann, spricht man von einer authentischen Inauthentizität, auch von der authentisch inauthentischen Persönlichkeit. Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman unterscheiden vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man sich selbst als authentisch erlebt:

  • BewusstseinEin authentischer Mensch kennt seine Stärken und Schwächen ebenso wie seine Gefühle und Motive für bestimmte Verhaltensweisen. Erst durch diese Selbstreflexion ist er in der Lage, sein Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.
  • EhrlichkeitHierzu gehört, der realen Umgebung ins Auge zu blicken und auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren.
  • KonsequenzEin authentischer Mensch handelt nach seinen Werten. Das gilt für die gesetzten Prioritäten und auch für den Fall, dass er sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.
  • Aufrichtigkeit – Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, seine negativen Seiten nicht zu verleugnen.

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“, das heißt sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird.“

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